Sonst noch Unterwegs

Zeit lassen – Enzian trinken!

14. Juli 2017

„Zeit lassen – Enzian trinken“ heißt der Slogan der Enzianbrennerei Grassl in Berchtesgaden. Gebrannt wird unten im Tal im Ortsteil Unterau aber auch oben am Berg auf mehreren Brennhütten. Die Brennhütte am Priesberg haben wir dieses Jahr im Juni zum dritten Mal besucht. Weder im letzten noch im vorletzten Jahr haben wir den Bergbrenner „Hubsi“ Hubert Ilsanker dort oben antreffen können. Schade, denn er ist schon eine echte Institution, taucht in vielen Medien auf.

Branntweinhütte

Branntweinhütte

Holzvorrrat fürs Brennen

Dieses Jahr war unsere Hoffnung, dort jemanden anzutreffen, deshalb gering. Umso erstaunter waren wir, als wir schon von Ferne Menschen dort sitzen sahen! Okay, niederlassen kann sich der müde Wanderer auch ohne den Brenner vor Ort, aber dieses Mal war es anders.

Ein junger Mann begrüsste uns freundlich, der nicht der Hubsi war. Er fragte uns, ob wir wissen, was heroben gemacht wird. Ja, das wussten wir. Enzian wird am Priesberg gebrannt. Zu unserer großen Freude gab es nicht nur sehr Hochprozentiges (den Enzian) sondern auch ein paar Umdrehungen weniger in Form von Berchtesgadener Hell. Statt des Bieres kühlt hier der Enzian im Brunnen 😉

Brunnen

Brunnen

Wir kamen locker ins Gespräch und es stellte sich heraus, das der junge  Mann Lukas Schöbinger ist, der neue Bergbrenner und unmittelbare Nachfolger von Hubert Ilsanker. Das war irgendwie an uns vorbei gegangen, dabei habe ich den Berchtesgadener Land Blog abonniert , wo das u.a. bekanntgegeben wurde.

Lukas Schöbinger

Lukas Schöbinger

Lukas sagte „ich bin das Aushängeschild hier oben für die Brennerei“. Und ja, so sympathisch und offen wie dieser 21-jährige rüberkommt, macht er das sehr sehr gut! Ein würdiger Nachfolger für Hubert Ilsanker. Wer sich nicht durch die Links geklickt hat, dem sei gesagt, Lukas hat Destillateur bei Grassl gelernt, er ist also vom Fach und kommt von dort. An der Stelle kam mir die Idee für diesen Beitrag und ich habe den Lukas natürlich um Erlaubnis gefragt, bevor ich ihn hier zeige. Gerne hat er sich fotografieren lassen und dann ging es los!

Nun mussten wir doch noch den Enzian probieren, der in 3 Varianten im Brunnen vor sich hin kühlte. Gebirgsenzian ist uns wohl bekannt. Den hatten wir oft genug unten im Tal zum Essen gehabt, siehe folgendes Foto.

Gebirsgenzian

Gebirsgenzian

Aber den Meisterwurz, den kannten wir noch nicht und haben ihn gerne probiert. Obwohl wir noch weiter wollten, zur Priesbergalm und dann noch den ganzen Rückweg über den Jenner, Königssee bis nach Schönau vor uns hatten. Lukas erklärte uns, das der genau dort oben am Priesberg geerntet und verarbeitet wird. Die Gärtnerin speicherte in ihrem Hirn eine ihr bis dahin unbekannte Pflanze ab. Geschmacklich ein wenig Richtung Sellerie sagte Lukas. Wir fanden ihn echt lecker.

Lukas lud uns uns zu einem Rundgang durch die Minibrennerei in der Branntweinhütte ein. Wenn ich das noch richtig erinnere, sagte er, es fließen ca. 6000 Liter Wasser pro Tag für einen Brennvorgang! Darum stehen die Hütten stets in einer Senke, wo das Wasser gut hinkommt. Was gelernt fürs Leben 🙂 Ohne Wasser keine Brennerei. Das Wasser im Brunnen drückt auf natürliche Weise raus.

Er erklärte uns, das man während des Brennvorganges ständig aufpassen muss. Wenn da was mit der Verbrennung nicht hinhaut, gibt es eine gewaltige Explosion und das war es dann mit der Hütte. Aber das diese Hütte schon solange steht, beweist uns, da waren nur Menschen vor Ort, die ihr Handwerk verstehen 🙂

Man braucht schon ein besonderes Fahrzeug, um die steile Anfahrt zu schaffen.
Oben das Motto, unten die Molekül-Struktur. Eigentlich ganz einfach, wenn man im Chemieunterricht aufgepasst hat, nicht wahr? 😉

Als wir unseren Rundgang beendet hatten, kam das wirkliche Highlight. Lukas geht in die Hütte und kommt mit einem dicken Heft zurück.“ Ihr wollt doch was lernen. Hier ist der Drogen-Ordner“. ???
Alles ganz harmlos! Um die 60 unterschiedliche Pflanzen sind hier in getrockneter Form zur Schau gestellt, sein Lehrheft. Die hat der Lukas anhand der Samenstände in der Prüfung als Destillateur auseinander halten müssen!  Und viele, viele, sehen für die Gärtnerin absolut gleich aus. Okay, mit viel Übung hätte man das hinbekommen können. Aber dann!

In der Prüfung zum Destillateur bekommst Du eine Substanz hingestellt, die musst Du ohne weitere Kenntnis exakt nacharbeiten. Nun, Lukas hat das geschafft, er darf sich heute zu Recht Destillateur nennen. Und, liebe Entscheider der Enzianbrennerei Grassl, Ihr habt den richtigen Riecher gehabt, den Lukas zu fragen, ob er der neue Bergbrenner werden möchte. Ein sehr sympathisches Aushängeschild für Eure Brennerei!

Lukas, wir wünschen uns sehr, Dich nächstes Jahr Mitte Juni wiederzusehen am Priesberg 🙂

Karen & Christian

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6 Kommentare

  • Antworten beate bahnwärterin

    nicht nur niedlich in seiner sepplhose – auch ein richtiger fachmann der lukas!!
    so ein „händisch“ gebrannter schnaps ist schon was feines. da tropft mir jetzt tatasächlich der zahn 🙂
    danke für die feine reportage!
    seid ihr dann noch die grosse runde gelaufen??
    xxxxx

    • Antworten Karen

      Jawoll, wir haben noch die komplette Strecke gemacht. Nach der nächsten Steigung war der Meisterwurz wieder verdampft ?

  • Antworten Astridka

    Na, dass ich ja ein toller Bericht, denn das Berctesgadener Land steht ganz oben auf meiner Liste der Vorhaben, wenn ich wieder gut laufen kann ( aber der erste Schritt ist ja bereits gemacht ). Das freut mich doch sehr, dass du diesen Post verlinkt hast, vielen Dank!
    LG

    • Antworten Karen

      Liebe Astrid,
      ich drück ganz tüchtig die Daumen für Dich und bessere Beweglichkeit! Ich habe gerade eine Verletzung am Zeh und merke, wie nervig das ist, nicht richtig laufen zu können.
      LG Karen

  • Antworten elfi

    nicht nur der enzian..auch die hütte und die umgebung sind anregend für einen ausflug!

    • Antworten Karen

      Liebe Elfi,
      das ist wohl wahr. Das Berchtesgadener Land zieht uns magisch an. Wie überhaupt alles, wo es bergig ist.
      LG Karen

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