Permakultur im Naturgarten

Wenn jemand einen naturnahen Garten bewirtschaftet, gehören irgendwann auch Elemente der Permakultur dazu. Als Drei-Zonen-Garten bewirtschaftet, wird ein geschlossener Kreislauf daraus. Mein Einführungslehrgang in das Thema Permakultur ist noch gar nicht so lange her, weitere Schritte zur Verwirklichung in unserem Garten habe ich seitdem ehrlich gesagt noch nicht unternommen.

Bis auf den Kauf und das Studium zweier Bücher zum Thema (“Der Große Weg hat kein Tor. Nahrung, Anbau, Leben” von Masanobu Fukuoka sowie “Permakultur. Gestaltungsprinzipien für zukunftsfähige Lebensweisen” von David Holmgren) war nicht viel passiert. Das war mir zu theoretisch und nicht direkt für mich nutzbar, deshalb erlahmte meine anfängliche Euphorie für das Thema Permakultur.

Von daher war ich sehr gespannt auf das neue Buch von Markus Gastl:

Permakultur und Naturgarten: Nachhaltig gärtnern mit dem Drei-Zonen-Modell
erschienen im September 2018 bei Ulmer

Das Erste, was mir auffällt, ist das quadratische Format des Buches, 24,5 mal 24,5cm. Etwas ungewohnt gegenüber dem meistens üblichen Hochformat, bietet es viel Platz in der Breite für Fotos und Illustrationen, die sonst recht gequetscht wirken würden.

Was mir nicht ganz so gut gefällt, ist die Bindung der 168 Seiten im Flexcover. Bei einem Buch, das doch recht schwer in der Hand liegt und das wegen der Inhalte bestimmt recht oft in die Hand genommen wird, hätte ich mir einen festeren und haltbareren Einband gewünscht. Aber die Meinungen gehen da auseinander, wie ich bereits in anderen Rezensionen zu diesem Buch lesen konnte.

Die Einleitung

bringt dem Leser sehr verständlich nahe, um was es in diesem Buch und beim Gartenkonzept des Hortus geht. Ohne Zufuhr organischer Stoffe von außen oder Abfuhr nicht benötigter Materialien aus dem Garten hinaus gelingt ein nachhaltiger Nährstoffkreislauf, wie er in der “guten alten” Zeit durchaus üblich war.

Ich habe für unseren Garten beschlossen, mich diesem Ziel zu verschreiben und mir nebenbei dadurch viel Arbeit zu ersparen. Dafür gibt es bei mir keinen  besonderen Auslöser, das hat sich einfach so ergeben.

Markus Gastl hat mehrere Erlebnisse gehabt, die ihn bewegt haben, fortan der Natur etwas zurückzugeben und wenn es auch “nur” auf dem eigenen Stück Land ist. Weil er das seit vielen Jahren sehr überzeugend umsetzt und sich aktiv dafür engagiert, gibt es inzwischen eine große Anzahl Menschen, die Ähnliches versuchen auf dem ihnen anvertrauten Stückchen Erde oder sogar auf dem Balkon mangels Grundstück oder Schrebergarten. Ich darf mich glücklich schätzen, inzwischen dazu zu gehören, zum Hortus-Netzwerk, für das es eine wunderbare Facebook-Gruppe gibt.

Die ersten 19 Seiten des Buches lassen den Leser gerührt und demütig zurück. Wer sich mit derlei Gedankengängen noch nie auseinandergesetzt hat, wird spätestens jetzt ins Grübeln kommen.

Am meisten bewegt hat mich die Aussage, es nützt nichts, mit dem  Finger auf Andere zu zeigen und nur ihnen Schuld an Zerstörung zu geben. Nein, viel besser ist es, sich den Spiegel vorzuhalten und zu fragen, was kann ICH selber tun für die Natur?

Im Abschnitt “Theorie und Grundlagen”

wird kurz und übersichtlich das Drei-Zonen-Modell erklärt. Es macht nichts, wenn man das Buch über den Drei-Zonen-Garten von Markus noch nicht gelesen hat. Ich behaupte aber, wer an diesem neuen Buch Gefallen findet, landet über kurz oder lang bei den anderen beiden Büchern des gleichen Autors. Ein paar aufschlussreiche Seiten zum Humus folgen, dann geht es weiter mit

sinnvollen Gartengeräten im Hortus.

Obwohl es so selbstverständlich ist, vergisst man das wichtigste Gartengerät, wenn man aufzählen sollte, was überhaupt nicht fehlen darf. Die eigenen Hände! So klar, das man erst daran erinnert wird, wenn man mal lädiert ist und z.B. eine Hand nicht benutzen kann.

Der sogenannten

Mulchwurst

wird viel Platz im Buch gewidmet und das ist auch gut so. Wer sich dieses Zaubermittel im Garten zu Hilfe nehmen will, der kommt ums Sensen oder Sicheln nicht herum. Das ist beim Vorhandensein einer Wildblumenwiese sowieso unabdingbar, damit aus dem mageren Standort nicht über die Jahre ein nährstoffreicher Standort wird. Ich gehe am Wochenende dann mal eine meiner beiden alten Sicheln im Schuppen suchen. Wie ich die wieder scharf bekomme? Schauen wird mal.

Ohne sie bisher schon genutzt zu haben, sehe ich in der Nutzung der Mulchwürste nur Vorteile und ein wirklich permakulturelles Element.

Spätestens im nächsten großen Abschnitt über

Superbeete

wird es dem Gärtner in den Fingern jucken, sofort loszulegen! Schon mal vom Vulkanbeet, Mondsichelbeet oder Schlüssellochbeet gehört? Letzteres sitzt wie ein Floh in  meinem Ohr, muss ich doch bei unseren normalen Hochbeeten ständig für Nährstoffnachschub sorgen bzw. die Beete nach Jahren sehr aufwendig ausräumen und neu schichten.

Kräuterspirale und Kraterbeet (in Form eines Senkgartens) gibt es hier bereits, über einen Kartoffelturm denke ich mangels ausreichender Kartoffelanbaufläche nach.

Dann kommt ein Thema, an dem sich die Geister scheiden mögen,

die Komposttoilette.

Tolle Idee finde ich, wenn man ein Stückchen Erde bewirtschaftet, an dem es kein WC gibt. In dem Schrebergarten meiner Kindheit gab es ein klassisches Plumpsklo, da wäre es ein Leichtes, umzustellen auf eine durchaus sinnvolle Komposttoilette. Aber wie um alle Welt, stellt sich das im Hausgarten da? Nicht, das es nicht möglich wäre aber ich überlasse es den Lesern, sich einmal selber darüber Gedanken zu machen. Nehmen wir mal an, wir hätten ein extra Häuschen im Garten, in dem sich diese Komposttoilette befindet. Immer, wenn ich dieses Häuschen ansteuere, grinsen sich die Nachbarn, die gerade aus dem ersten Stock ihres Hauses in unseren Garten gucken Eins und denken, ah, es ist wieder soweit. Und im Schlafanzug mal eben zum Örtchen schlappen?

Foto von pixabay, https://pixabay.com/de/users/MichaelGaida-652234/

Leider ist unser Grundstück nicht so weitläufig und uneinsehbar, das da keinerlei Beobachtung möglich wäre. Und ins Haus wollte ich mir diese Installation dann doch nicht stellen. Noch einmal: für das extern liegende Stückchen Erde = tolle Sache!

Dann geht es mit den

Naturmodulen

weiter, von denen ich schon einige im Garten habe und mich darüber freuen kann. Warum Strauchschnitt mit Motorkraft häckseln? Macht doch Reisighaufen, Reisigzäune oder eine Wurmfarm damit bzw. daraus. Den Stumpen der gerodeten Tanne zum Entsorgungszentrum bringen? Überflüssig, bleibt im eigenen Garten und wird zu wertvollem Totholz.

Foto von pixabay, https://pixabay.com/de/users/Poolplay-4861552/

Lasst Eure Nachbarn doch skeptisch gucken, wenn sie Euren Reisighaufen sehen oder ihn sogar als unaufgeräumt oder hässlich titulieren. Schönheit liegt im Auge des Betrachters und was kann schöner sein, als in Folge der Anlage solcher Naturmodule nun wieder Tiere begrüßen zu können, von deren Existenz im eigenen Einzugsgebiet man nicht einmal mehr zu träumen gewagt hätte? Ich warte leider immer noch auf Eidechsen, habe aber auch noch keine Steinpyramide und kein Sandarium. Folgt, lieber Markus, folgt! Muss ich nur noch die zahlreichen Nachbarskatzen davon überzeugen, das unser Garten zwar für die Tiere da ist, ich mich aber glücklich schätzen würde, wenn alle Katzen einen Bogen um unseren Hortus machen als leidenschaftliche Eidechsenjäger.

Foto von pixabay, https://pixabay.com/de/users/kwol-758252/

Mit stolz geschwellter Brust blicke ich auf die Seiten 98/99 im Buch,

die Gesamtkarte

des inzwischen weit verbreiteten Hortus-Netzwerkes. Eine der roten Markierungen zeigt auf unseren Garten, den Hortus Allegria. Eine aktualisierte Karte und viele weitere Informationen zum Hortus-Netzwerk entstehen  gerade auf einer neuen Seite, damit Markus’ eigene Seite  zum Hortus Insectorum und Hortus Felix davon entlastet werden.

Im letzten Teil des Buches werden die Gärten einiger sehr engagierter Hortus-Gärtner vorgestellt. Klasse finde ich die jeweilige Grafik zum vorgestellten Hortus mit den möglichen bzw. vorhandenen Naturmodulen nebst Komposttoilette (sofern sie denn vorhanden ist) und ihrer Platzierung im Garten.

Im Anhang

liefert der Autor hilfreiche Adressen. Ich schaue mich dann wohl als Nächstes beim Sensenverein um bzw. belege einen Sensenkurs, der zum Glück auch manchmal hier im Norden angeboten wird.

Wer noch kein Buch von Markus Gastl gelesen oder noch nichts vom Drei-Zonen-Garten gehört hat, dem rate ich, sich zunächst mal auf den verlinkten Internetseiten umzusehen und bei anhaltender Begeisterung für das Thema mit genau diesem vorgestellten Buch zu starten.

Markus, ich danke Dir für dieses wundervolle Werk, das mir endlich die Augen geöffnet hat, wie solch ein Keyholebeet funktioniert. Dabei gibt es genügend Infos dazu im Netz, Du kannst es eben besser beschreiben. Einen möglichen Standort dafür habe ich schon auserkoren, es wird ein Ertragsbeet nahe am Haus.

Wer gleich mit dem Buch starten will, hier geht es lang und ein Blick ins Buch ist auch möglich. Ich verspreche allen zukünftig vom Hortus-Gedanken Infizierten: Euer Hortus wird eine Oase für Mensch und Tier sein und Euch Zeit lassen, um schöne Fotos zu machen, die Ihr uns in der Facebook-Netzwerk-Gruppe zeigen könnt.

Foto von pixabay, https://pixabay.com/de/users/Alpelino-762348/

Ich bedanke mich recht herzlich beim Ulmer Verlag für die kostenlose Zusendung des Buches! Gerade noch rechtzeitig vor meinem Urlaub erreichte mich das Paket und ich konnte das Buch als Urlaubslektüre mitnehmen. Ein ganz besonderer Genuß! Ich verreise durchaus des Öfteren mit Gartenbüchern.


Verlinkt bei Traude Rostroses Aktion #ANL

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10 Gedanken zu “Permakultur im Naturgarten

  1. Liebe Karen,
    gerade gestern hatte ich das Buch bei einem Vortrag von Markus über den 3-Zonen-Garten hier in meiner Nähe in der Hand. Ich werde es mir auf jeden Fall auch zum Rezensieren schicken lassen. Obwohl ich die Mulchwurst, Kraterbeet oder das Keyholebeet letztes Jahr live im Hortus Felix bewundern durfte, ist so ein detailliertes Buch noch mal ein nützliches Nachschlagewerk. Ich glaube, so ein Schlüssellochbeet Ist für dich gar kein Problem, wenn ich so an deine Kräuterspirale oder den Senkgarten denke. Dein Vorgarten ist auch so super geworden.
    Ich freue mich, dass ich hier wieder kommentieren kann, weil ich mit deinem alten Designt deine Webseite gar nicht mehr aufrufen konnte. Da kam immer eine Fehlermeldung. Ich trau mich jetzt gar nicht bei Datenschutz o.k. zu klicken….hoffe aber, es passiert nicht noch mal.
    Ich hab mich übrigens auch schon gefragt, ob ein Sandarium nicht eher zum Katzenklo wird…hier wär das ein Problem, das Markus aber nicht erwähnt hat.
    Liebe Grüße, Sigrun

    1. Hat alles geklappt, liebe Sigrun! Du warst ja nicht die Einzige mit Problemen beim Kommentieren. Nun ist alles frei und ohne Zwangseingaben, was bedeutet, ich muß im Gegenzug jeden Beitrag moderieren. Freue mich übrigens sehr, von Dir zu lesen, hatte mir schon Sorgen gemacht.
      Liebe Grüße
      Karen

  2. Liebe Karen, Perma-Gärten begeistern mich regelrecht- ich finde, sie sind eine unglaublich faszinierende Art, Gärten anzulegen! Ich trage schon eine Weile den Gedanken in mir, einen solchen Garten im Kleinformat für uns zu gestalten, alleine es fehlt mir die Zeit dazu im Moment. Wenn die schweren Jungs aber mal auf der Seniorenweide weilen, dann könnte das was werden. Vorausgesetzt, meine Gesundheit macht mit- denn die schlägt mir ja inzwischen das eine oder andere gemeine Schnippchen! :o/
    Also werde ich mich weiterhin per www und über Bücher wie dieses, das du uns hier vorstellst, einlesen. Und sehen, wie ich das für die Zukunft aufgleisen kann.
    Ueber einen deiner Links bin ich auf die Keramik-Hummelhäuser und Igel-Iglus gestossen; DIE sind ja wirklich zauberhaft und ausserdem so sinn- und wertvoll für die kleinen Gartenbewohner! Und ich freue mich ausserdem, dass es doch ganz viele Menschen gibt, die sich Gedanken machen und ihren Teil beitragen, was dem Schutz und Erhalt unserer Natur dient!
    Hab ein frohes WE, ganz herzliche Hummelzgrüsse!

  3. Das ist wieder ein sehr interessanter Beitrag. Zumindest in Sachen Komposttoilette kann ich ein wenig mitreden. In unserem Garten gibt es so eine. Wir haben sie auch schon mal am Haus genutzt, als wegen Hochwasser die Toilette im Haus nicht benutzt werden konnte. Das war auf jeden Fall schon mal eine interessante Erfahrung!
    Viele Grüße von
    Margit

  4. ein bisschen muss ich grinsen……
    so als “armer ossi” kennt man ja nix anderes. meine grossmütter haben immer permakultur in ihren gärten betrieben, ganz ohne hippen schnickschnack. und ich hab meinen garten mit extremem low-budget einrichten müssen – da kommt man ganz automatisch zur permakultur – auch ohne zu wissen, dass das so heist
    ;-D
    aus dem komment von frau hummel entnehme ich, dass es aber auch da schon wieder eine ganze industrie gibt die aus den ehrlichen bemühungen einzelner ein geschäft macht………
    @eidechsen: lisbeth jagt die auch manchmal, es gibt aber immernoch sehr viele hier, ganz ohne extra bauwerke. auch schlangen. unsere ziegel-&sandsteinlager & holzschauer tuns auch. sieht halt etwas “rumänisch” aus 😉
    was aber die lisbeth auch bewirkt ist – es kommen keine anderen katzen her – insofern ist der jagddruck auf vögel, eidechsen etc. wahrscheinlich geringer als auf einem grundstück ohne hofkatze.

    1. Neee, Industrie würd ich das nicht nennen. Das ist ein/e Keramiker/in, (weiss ich jetzt gar nicht so genau), der/die diese Teile von Hand und ganz individuell töpfert. Jedes für sich ein Unikat. Und mit Sicherheit viel, viel langlebiger als die ganzen Stücke, die man sonst so angeboten bekommt! Doch, die haben mir seeehr gut gefallen! ;oD

  5. Liebe Karen, für mich ist das auch ein Thema, in das ich mich noch viel intensiver vertiefen möchte. Toll, dass du hier ein Buch beschreibst, in dem die Prinzipien und Methoden leicht verständlich und anschaulich erklärt werden. Mit allzuviel Theorie kann ich nämlich ebenfalls nichts anfangen. Dein Beitrag passt ab 15.10. prima zur Verlinkung bei ANL, wenn du magst!
    Alles Liebe, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2018/10/eine-woche-im-ausseerland-teil-2.html

  6. Das ist einmal wieder eine tolle Buchrezension. In Österreich ist Sepp Holzer großer Vorreiter der Permakultur. Ich hätte gerne einiges davon bei uns im Garten umgesetzt, aber er ist einfach zu klein.

    Von Komposttoiletten habe ich schon gehört, aber für mich wären die nichts 🙂

    LG Kathrin

  7. Liebe Karen,
    das ist ein sehr interessantes Thema und ich bin gespannt, wie es bei Dir weiter geht. Ein Toilette im Garten kann ich mir allerdings nicht vorstellen, alles andere schon.
    Eidechsen hatten wir sogar schon im Garten, wir haben ja eine Reihe von Trockenmauern mit sehr vielen Zwischenräumen, aber leider streifen in unserem Garten auch immer die Katzen der Nachbarn umher und ich glaube, sie haben die Eidechsen gefangen und verspeist. Ich wünsche mir auch, die Katzen würden unseren Garten nicht besuchen, aber ich weiß nicht, wie ich es ihnen begreiflich machen soll.
    Ich wünsche Dir noch eine wunderschöne Restwoche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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