Deutschlands Wildbienen und ihre Lebenräume

Vor fast 30 Jahren erschien das Buch “Die Wildbienen Baden Württembergs” des Autors Paul Westrich im Ulmer Verlag.  Leider ist das sehr umfassende Werk nur noch antiquarisch zu astronomisch hohen Preisen erhältlich. Paul Westrich gilt als der Bienenpapst Deutschlands – zu Recht, wie ich finde. Bienenfreunde sind deshalb sicher begeistert das nun, ebenfalls bei Ulmer, sein neuestes Werk erschienen ist:

Die Wildbienen Deutschlands
Paul Westrich,  2018
824 S., 1700 Farbfotos, 17 Zeichnungen, 14 Tabellen,
geb. ISBN 978-3-8186-0123-2. € 99,00

In seinem neuen Werk, das man als wahres Kompendium bezeichnen kann, stellt uns Paul Westrich sein geballtes Wissen über Wildbienen nebst hochwertigen, teils großformatigen Fotos zur Verfügung. Mit über 800 Seiten im DIN A4-Format ist dieses Vermächtnis an Naturfreunde nicht eben ein Leichtgewicht und somit eher für das Studium daheim geeignet.

So schwerwiegend wie das Kampfgewicht dieses Wälzers ist auch sein Inhalt! Man könnte auch sagen, das Buch richtet sich nicht unbedingt an Einsteiger zum Thema Wildbienen.

Das Buch widmet sich zunächst den unterschiedlichen und sehr vielfältigen

Lebensräumen

der Bienen. Wo die Bienen wohnen, definiert sich durch die passenden kleinklimatischen Verhältnisse, die vorhandenen Nahrungsquellen und nicht zuletzt durch das Vorliegen geeigneter Nistmöglichkeiten.

Hohlweg am Kaiserstuhl

Mit Letzterem sind keine vom Menschen erstellten Nisthilfen gemeint, sondern deren natürliche Pendants.

Lösshügel am Kaiserstuhl

Optimal ist dabei eine möglichst engmaschige Vernetzung der vorliegenden Bedingungen. Bei einer zerschnittenen Landschaft, jäh geteilt durch Straßenflächen oder neu entstehende Gebäudeareale wird es schwierig für die Bienen, die Flugstrecken würden zu lang.

blühender Efeu, wundervolle Bienennahrung spät im Jahr

Was nützt es den Bienen, wenn die passenden Pflanzen zwar in unseren Gärten zu finden sind, die geeignete Nistmöglichkeit aber nicht in erreichbarer Nähe geboten wird.

Fasziniert haben mich diesbezüglich die Landschaften am Kaiserstuhl mit ihren Lösswänden, Hohlwegen, Trockenrasen, und und und… Alle Fotos in diesem Beitrag (außer dem Coverfoto, das direkt von Ulmer kommt) sind im Urlaub dort mit meiner Kamera entstanden. Mein armer Mann musste meine entzückten Erklärungen über sich ergehen lassen und Nähe Ihringen an Trockenrasenflächen entlang wandern.

Blick über Weinhänge zu den integrierten Lösswänden

Wer die zahlreichen Fotos zu den vielfältigen Lebensräumen in sich aufnimmt, der wird im nächsten Urlaub eine ganz andere Wahrnehmung der Umgebung haben und womöglich, wie ich, Insektenlebensräume identifizieren.

Brachen mit ihren Ruderalflächen werden durch diese Brille betrachtet zum wertvollen Lebensraum, selbst der Bahndamm reiht sich hier ein! Man merkt meiner Begeisterung sicher an, das dieser Abschnitt über die Lebensräume mein Favorit im Buch ist.

Auf Lebensraum folgt Lebensweise. Darin geht es zum großen Teil um den Nestbau. Mauerbienen bevorzugen bis auf Ausnahmen andere Nestbaustellen, als ihr Name vermuten lässt. Hohlräume, markhaltige Stängel und leere Schneckenhäuser sind ihre Favoriten.

Lesesteinhaufen, der hoffentlich dort liegen bleibt

Im Abschnitt

Nutznießer und Gegenspieler

geht es z.B. um Parasitismus. Das sind die Räuber und Kuckucke der Bienenwelt. Zunächst ist man geneigt, nur der Bienenbrut das Durchkommen zu wünschen aber hey, das ist Natur und gewollt!

Fantastisch ausgeklügelte Abhängigkeiten voneinander erfordern eben auch Opfer. Gibt es den Wirt nicht mehr, wird auch der Parasit aussterben.

Das Kapitel Bienen und Blüten zeigt uns, wie welche Biene an welcher Blüte Nahrung und Pollen gewinnt. Begleitet wird das von einer langen Liste der Pollenquellen.

Dann haben wir nach fast 400 Seiten knapp die Hälfte des Buches geschafft, uff.

Nach der Übersicht der Gattungen und Arten folgen sehr ausführlich die Steckbriefe der einzelnen Bienen- und Hummelarten, die die 2. Hälfte des Buches füllen. Den Abschluß bilden ein ausführlicher Index sowie eine ellenlange Literaturliste!

Der Kaufpreis mag mit 99 Euro zunächst hoch anmuten, auf den geballten Inhalt und die hohe Seitenzahl umgerechnet ist das Buch aber ein Schnapper. Allerdings empfehle ich interessierten Einsteigern zum Thema zunächst etwas “leichtere Kost”, z.B. Wilde Bienen von Heinz Wiesbauer oder ein anderes noch erhältliches Buch von Paul Westrich, nämlich Wildbienen, die anderen Bienen. Wer mehr aus dem Inhalt wissen möchte, kann direkt einen Blick ins Buch werfen bei Ulmer.

Ich bedanke mich beim Ulmer-Verlag für die kostenlose Übersendung dieses wertvollen Buches das mir, als Mitglied des Hortus-Netzwerks, besonders am Herzen liegt und nun ein wertvolles Nachschlagewerk für mich sein wird.

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7 Gedanken zu “Deutschlands Wildbienen und ihre Lebenräume

  1. Danke dir du Liebe für diesen Tollen Post. Er hat wirklich einen sehr, sehr wichtigen Inhalt. Bin mir sicher, du kennst die Fotos aus China, wo Menschen die Blüten befruchten …. hoffe, wir schaffen es, nicht soweit zu kommen.
    Schöne Tage und ganz liebe Grüße
    Elisabeth

    1. Liebe Elisabeth,
      die Fotos aus China sind leider auch nicht für uns Europäer so abwegig. Da brauche ich nur in tote Nachbargärten und monotone Landwirtschaft zu gucken. Ich tue auf unserer kleinen Scholle alles dafür, das Ruder rumzureißen!
      Liebe Grüße
      Karen

  2. Liebe Karen, vielen Dank für diese tolle und informative Buchvorstellung. Bienen sind extrem wichtig und dennoch wird noch viel zu wenig für sie getan. Ich halte es wie Du und versuche zumindest unseren Garten so bienen- und insektenfreundlich wie möglich zu gestalten.

    LG Kathrin

  3. sehr interessant!!
    aber erstmal deine fotos loben – die könnten echt ein solches buch illustrieren – du guckst schon mit den augen der wildbienen 😀
    seit die brummer in aller munde sind hab ich hier im BW-garten mal drauf geachtet – und sieheda! – diverse wilde bienchen, sogar die seltene, riesige, schwarze holzbiene!! die ist ganz “wild” auf die staudenwicke.
    aber wir habens ja hier auch luxeriös – rundhrum: bahndamm (hihi), naturgeschützter altarm mit wildem & totem gehölz, riesige eichen & hecken & wildwuchs, wilde wiesen, alte trockenmauern etc. etc……. statt toter speckgürtel-gärten. womöglich ist eine grosstadt mit parks & strassenbäumen und ollen ecken zum wohnen noch bienenfreundlicher als diese beton&rollrasen-“paradiese”.
    waldesgrüsse!! xxxxx

  4. Auch wenn dieses Schwergewicht wohl eher nicht für Otto Normalverbraucher geeignet ist, ist das Wissen um die Bedürfnisse der kleinen Wilden sehr wichtig. Zu oft wird beim Thema Bienenschutz nur an die Honigbienen gedacht. Ich denke, die Wildbienen sind viel wertvoller für die Natur und für uns.
    Deine schönen Bilder finde ich sehr interessant.
    Liebe Grüße
    Heike

  5. Liebe Karen,
    danke für diesen sehr schönen und informativen Beitrag über das Buch von Paul Westrich. Die Wildbienen sind sehr wichtig für die Natur und es ist gar nicht so schlecht, über die Erfahrungen und das Wissen der richtigen Profis zu lesen.
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag.
    Liebe Grüße
    Loretta

  6. vielen Dank für die Vorstellung dieses “Wälzers” – auch ich versuche immer weiter im Kleinen ein Paradies für alle möglichen Brummer zu schaffen – liege dem Liebsten seit Monaten in den Ohren, dass ich einen Totholzhaufen möchte 🙂
    zumindest den Steinhaufen haben wir schon länger und er bleibt auch sicher noch eine ganze Zeit so unangetastet
    liebe GRüße
    Manu

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