Igelburg und Lehmziegelbauten

Ein naturnaher Gärtner mit Tierliebe im Herzen hat stets Sorge, ob es der Tierpopulation im eigenen Garten wohl gut geht. Als unser Essigbaum letztes Jahr im September zum Sturmopfer wurde, haben wir sein Totholz sinnvoll verwendet. Diese Baumwurzel (nicht vom Essigbaum) wurde während der Vorgartenumgestaltung hier zwischen geparkt, Inzwischen steht sie wieder im Vorgarten. Käfer und anderes Getier werden sich darüber freuen.

Im Herbst plagt mich stets die Frage, ob die Igel, die unseren Garten durchstreifen, wohl ein geeignetes Winterquartier finden. Grundsätzlich gibt es hier genug Unterschlupfmöglichkeiten, sei es im von mir aufgetürmten Reisighaufen oder unterm Kaminholzregal. Im Hortus-Netzwerk hatte ich Fotos von einem netten Bauwerk gesehen: unten

Igelburg, oben drauf Totholz als Herberge für allerlei Krabbelgetier.

Ein Mehrfamilienhaus sozusagen.

Alle benötigten Bauteile waren vorrätig, los geht es! Die rechte hintere Ecke unseres Grundstücks liegt im Schatten, ein Cornus Controversa streckt seine Zweige schützend darüber. Unten am Boden wächst deshalb nicht viel durch bedrängendes Wurzelwerk, nicht nur vom Cornus. Dort lag schon einige Zeit ein kleiner Totholzstapel, der wurde kurzerhand an die Seite gelegt, um gleich wieder Verwendung zu finden.

Die Baustelle habe ich freigelegt und dann mit vorhandenen Reststeinen, die beim Vorgartenumbau entnommen wurden, eine Umrandung gelegt. 

3 Schichten Steine, mittig das künftige Igelappartement, vorne der Eingang.

Trockenes Laub als Bettfedermaterial hinein, danach folgte eine aufgelegte Zwischendecke aus einer Holzplatte.

Die obere Etage wird mit Totholz gestaltet.

Fertig ist die Igelburg!

Igelburg

Nun kann einziehen, wer mag.

Wahrscheinlich erfolgte die Baufertigstellung zu spät im Jahr. Außer einem täglich vorbeischauenden Mäuschen hat sich noch niemand für die freie Wohnung interessiert. Die Wärmebildkamera ist auf den Eingang gerichtet und registriert, wer sich dort umsieht.

Maus

Bisher waren alle recht “verhuscht”, die neuere Kamera (Supermarkt, 79,- ) ist nicht der Hit aber der sehr gute teure Vorgänger (Dörr snapshot) ist leider vorzeitig verreckt und ich bin nicht bereit, noch einmal über 200 Euro für 2 Jahre mögliche Laufzeit zu investieren.

Weiter geht es mit dem nächsten tierfreundlichen Projekt, einer Wildbienennisthilfe.

Bereits im letzten Herbst hatte ich einen Stapel Lehmziegel ergattert, die in einem alten Haus in einer Zwischenwand 100 Jahre überdauert hatten. Mangels anderer Lagermöglichkeiten lagen die Ziegel geschützt an der Hauswand unter einem Tisch.

Lehmziegel

Als Verwendung schwebte mir eine kleine Mauer mit diesen Ziegeln vor, die dick mit Lehm verfugt wird. In den Lehmfugen haben Wildbienen die Möglichkeit, ihre Brut abzulegen. Nun wird Lehm alleine zu hart und die Bienen können keine Gänge hineinbohren. Abhilfe schafft die richtige Mischung des Lehms mit Sand.

Mein Grundmaterial ist Lehmpulver aus dem ökologischen Baustoffhandel

sowie ein Kübel Sand, den ich bei der Vorgartenumgestaltung aus einem Beetuntergrund geschaufelt hatte. Reste unseres ehemaligen Bauplateaus, die 27 Jahre unbeschadet im Untergrund verbracht haben.

Irgendwo hatte ich von einer sinnvollen Mischung 50:50 für Sand und Lehm gelesen, zusammen mit Wasser angerührt entstand eine Probe:

Wenn man nach dem Aushärten noch mit dem Fingernagel Material abkratzen kann, stimmt die Mischung. Mit 50:50 lag ich richtig.

Eine schöne alte Holzkiste sollte das Gerüst bilden für das kleine Mauerstück.

Ich zeige Euch gleich das fertige Ergebnis. Wer mich hätte hantieren sehen mit der kleinen Maurerkelle, hätte einen Lachkrampf gekriegt. Das war eine Premiere. Nicht lachen jetzt! Die Fugen sind absichtlich breiter geraten, sollen ja genug Nistmöglichkeiten bieten. Hier das Ergebnis im noch durchfeuchteten Zustand.

Hat jemand eine Vorstellung, was solch ein kleines feuchtes Mauerstück wiegt? Ich hatte mich total verschätzt und habe mich schier umgebracht, die Kiste vom Bauplatz auf den Tisch zu hieven.

2 Wochen später war die Mauerkiste gut angetrocknet.

Über den Winter werde ich noch einige Löcher in die Fugen bohren als Starthilfe für die Wildbienen. Ende März könnten dann potentielle Nistinteressenten geflogen kommen.

Ich weiß, das so ein Stück Mauer eigentlich Spielkram und überflüssig ist. Hier nisten viele Wildbienen bereits in den Sandfugen der Terrasse und im sandigen Boden der Beete. Aber mit dieser Kiste wird mir hoffentlich eine Beobachtung möglich. Und irgendwie sieht das doch auch ganz nett aus.

Obwohl ich bereits die Hälfte der Ziegel verschenkt habe, bleiben noch genug Ziegel für weitere Ideen. Habt ihr eine Idee, was man sonst noch mit nicht wetterfesten Lehmziegeln anstellen könnte?

Verlinkt

beim Fachwerkhaus im Grünen und bei Traude Rostroses ANL A new Life

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10 Gedanken zu “Igelburg und Lehmziegelbauten

  1. als wärmespeicher auf/um einen eisenofen drapieren…..
    du bist echt niedlich! deine fürsorge für die kleinen bestien ist sehr rührend. das wird ein leben näxten sommer in deinem garten – alle werden gern bei dir wohnen und sich reichlich vermehren bei solch grandioser hilfestellung 😀
    und du hast mit nachhaltigen materialien gebaut – dafür extra-punkte!!
    hier hats heut nacht das 1.x ernsthaft gefroren – auf dem teich könnten die bienen schon schlittschuh laufen – für mäuse reichts noch nicht ;-D
    xxxxx

  2. Grossartig! Du bist ein richtiges Vorbild- und Ausreden findet man da auch keine, weil du vormachst, wie einfach es sein kann, was für unsere Fauna und Flora zu tun. Klar, das Mäuerchen macht etwas mehr Arbeit, und trotzdem kann es jeder realisieren. Wenn er denn einsieht, dass es vonnöten ist…..
    Die Ziegel könnte man auch einfach kreuz und quer zu einem Haufen drapieren, für Eidechsen und Konsorten. Aber in deinem Garten finden die wohl auch so Unterschlupf! ;oD
    Hab grad vorhin wieder die Vogeltränke im Garten befüllt- ist ja hier immer noch trocken, das bisschen Regen vor 10 Tagen ist längst wieder versickert und verdunstet. Und mittags beim Einkaufen hab ich mir bereits überlegt, ob ich schon Vogelfutter kaufe. Nächstes Mal dann bestimmt. Ich hab gehört, dass man heutzutage tatsächlich das ganze Jahr über füttern sollte, weil die kleinen Flatterer inzwischen so wenig Futter finden. Ist das nicht zum Davonlaufen?? So weit haben wir es inzwischen gebracht. Die, die ihre Züge überleben und nicht in irgendwelchen Fangnetzen enden kommen hier an und es lauert ihnen der Hungertod……
    Doch, wir müssen was tun. Soviel wie irgend möglich. Und es bedarf oft nur kleiner Aufmerksamkeiten, um was zu bewegen.
    Merci für diese anwendbaren Inspirationen!
    Frohes WE und herzlichste Grüsse!

  3. Das sind ja tolle Bauwerke! Ich weiß nicht, ob mein Igelhaus schon jemals genutzt wurde! Aber immerhin sieht es hübsch aus. Die Idee mit der Nisthilfe gefällt mir auch sehr gut. Kann mir vorstellen, dass das Ganze ziemlich schwer ist!
    Viele Grüße von Margit

  4. Zwei luxuriöse Behausungen hast du da gebaut. Da werden die zukünftigen Mieter begeistert sein. So alte Ziegelsteine habe ich auch noch einige. Bisher habe ich sie für kleine Pflasterarbeiten verwendet. Jetzt werde ich mal schauen, wo noch ein kleines Mäuerchen hin passt.
    Liebe Grüße
    Heike

  5. Hallo Karen, wie ich sehe, hast du großzügig in Immobilien investiert! Nun hoffe ich, dass sich schnell Mieter finden, die Interesse an deinen Mehrfamilienhäusern haben. Wohnraum ist doch derzeit Mangelware, also vermute ich, dass die attraktiven Luxus-Neubauten in bevorzugter Lage bald von Igel und Co bewohnt werden:)
    Liebe Grüße!
    Amely

  6. Wow, liebe Karen,
    zwei sehr schöne Projekte! Ich bin von beidem wirklich beeindruckt. Bisher wusste ich noch gar nicht, dass man mit Lehmziegeln eine Hilfe für Wildbienen bauen kann. Das werde ich auch versuchen, Lehm und Lehmziegel habe ich genug, nur die Kiste fehlt mir noch und eine Lehmwand ohne Kist hält nicht lange, das habe ich schon mal versucht, wenn auch aus anderen Gründen.
    Ich wünsche Dir noch eine wundervolle Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

  7. Und die Wurzel schaut zudem so dekorativ aus, liebe Karen!
    Wir haben das auch immer so gemacht. Diese Dinge verbleiben im Garten, soweit das Fassungsvermögen es hergibt.

    Einen Igelhaufen will ich auch noch zusätzlich aufschichten, die Frage ist nur wo. Beim Gartenhaus ist es an den Seiten zu feucht durch das dort herabsickernde Regenwasser. Denn sonst wäre es unter dem Holunder dort schon ideal …Unter der hohen Weide hat sich ein Igel ein Nest gebaut. Das ist so schön, zu entdecken! 🙂

    So wie Du habe ich auch was angefangen, allerdings mit dicken Ästen, die mein Mann in Stücke gesägt hatte und für die wir sonst leider keine Verwendung haben mangels Kamin oder Ofen.
    Nur muß es da hinterm Gartenhaus doch wieder weg, das war eine Schnapsidee … hinterm Haus ist nur ein sehr schmaler Bereich, der muß frei bleiben … ich werde es unter einen anderen Baum verlagern. Die Stelle muß ja auch ruhig genug sein. Laub haben wir jedenfalls mehr als genug. 😉

    Es gibt ja auch noch andere Tierchen, die vielleicht Unterschlupf suchen, Siebenschläfer vielleicht … obwohl die wohl eher in Bäumen schlafen. Wir hatten mal einen Bilch in einem früheren Garten. Das war auch aufregend.

    Wir haben ja auch so eine Kamera und es macht einfach Spaß, das zu beobachten. Ich hatte manchmal auch mit viel mehr Tieren gerechnet, insbesondere mit einem Fuchs, der sich bei uns aber noch nie hat blicken lassen. 😉 Dafür ein Iltis. 😉 🙂
    Schade, dass Deine Kamera schon kaputt ist. Unsere scheint recht gut zu halten. Wetterfest sollte sie schon sein.

    Bin ja gespannt, wer letztendlich einziehen wird … ich hatte z.B. gar nicht mit einem Igel in unserem Garten gerechnet. Früher passierten 1 oder 2 Igel höchstens unseren Garten, aber nun hat einer sein Nest gebaut. Das ist so erfreulich und zeigt auch, dass wir auf dem richtigen Weg mit dem Garten sind.

    Da hast Du tolle Sachen gebaut. Ach, warum dauert es nur so lange, bis wieder Frühling ist. 😉

    Liebe Grüße
    Sara

  8. Ich bin begeistert, liebe Karen!
    Sowohl von deiner Igelburg – die außerdem in der Gartenecke, wo eh nicht viel wachsen wollte, richtig was hermacht, und die bestimmt zur richtigen Zeit andere Tiere als ein einziges Mäuschen anziehen wird – als auch von deiner Wildbienen-Wohnkiste 🙂 Die sieht übrigens wirklich nicht schwer aus, aber dekorativ! Gut gemacht und ganz vielen Dank für deine Verlinkung bei ANL! :-))
    Herzliche Rostrosengrüße, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2018/11/der-perfekt-gefullte-kleiderschrank-fur.html

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