Lichtverschmutzung oder warum wir keine Glühwürmchen sehen

Nachts ist es dunkel bei uns. Oder etwa nicht?

Aus dem All betrachtet, sieht die Erde stellenweise ganz schön beleuchtet aus.

Wir leiden unter

Lichtverschmutzung

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Wenn man genau hinsieht, erkennt man Bremen am rechten Bildrand knapp unter dem größeren helleren Hamburg.

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So richtig stockdunkel ist es nur weit vor den Toren der Stadt, wenn alle vorhandenen Lichter ausgehen. Die Betonung liegt auf wenn, ist es doch üblich geworden, selbst den Garten zu illuminieren.

Die Gartenbeleuchtung kann, gezielt eingesetzt, Stimmungen erzeugen oder bestimmte Elemente hervorheben.

Beleuchtung kann uns helfen, unseren Weg zu finden.

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Solche

Kugelleuchten

auf praktischem Erdspieß besaßen wir auch. Entlang des Pfades unterstützten sie uns auf dem Weg zum Komposthaufen oder um ins Gewächshaus in der Dunkelheit zu gelangen. Eine Saison genau waren sie im Einsatz, dann fand ich sie überflüssig und nur mäßig ansehnlich. Fortan nahm ich wieder die altbewährte Taschenlampe für den gezielten Einsatz.

Unsere Nachbarn zu beiden Seiten haben zusammen ein halbes Dutzend dieser Leuchtdinger im Einsatz, das reicht auch für unseren Garten. Die Unsrigen habe ich verschenkt.

Will man heute den Sternenhimmel fotografieren, muss man sich weit abseits der Städte begeben. Durch die Lichtverschmutzung nimmt man die kleineren Himmelskörper nicht mehr wahr. Es gibt sogar einen Lichtverschmutzungsatlas, der zeigt, dass mehr als 99% der Bevölkerung Europas unter lichtverschmutztem Himmel lebt und 60% die Milchstraße nicht mehr sehen kann.

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Lichtverschmutzung kann störende Einflüsse auf die Flora und Fauna haben. Pflanzen werden durch eine künstlich aufgehellte Umgebung in ihrem Wachstumszyklus beeinflusst. Noch schlimmer müssen die Auswirkungen auf nachtaktive Insekten sein! Das die Nachtfalter gegen die Terrassenbeleuchtung fliegen, hat sicher jeder schon mal beobachtet.

Es gibt im Netz Infos zu insektenfreundlichen Außenbeleuchtungen. Ein Schritt zur Verbesserung ist die Abschaffung dieser allseits beliebten Kugelleuchten und stattdessen hin zu nach oben abgeschirmten LED-Leuchten.  Oder einfach mal gemütlich bei einer Kerze im oben geschlossenen Windlicht auf der Terrasse sitzen und ins Dunkle schauen. Sehr beruhigend für die Augen und mit Glück kommt ein Igel angetippelt. Bei uns sind die Igel gar nicht bange und passieren unsere Stühle und den Tisch, an dem wir sitzen, von unten.

Glühwürmchen, Quelle: Von Mike Lewinski from Tres Piedras, NM, United States – Lupines and Fireflies No. 3, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=64175236

Habt Ihr in Eurem Garten schon mal

Glühwürmchen

sehen können? Ich leider noch nie. Meine einzige Glühwürmchensichtung war Ende der 80ger-Jahre im Spessart auf einer Wanderung in die Nacht hinein.

In der Schweiz habe ich eine interessante Seite zu den Glühwürmchen gefunden. Die dortige Aussage lautet, das Licht verbirgt die Nacht, verscheucht die Glühwürmchen und macht sie unsichtbar. Eigentlich heißen sie ja Leuchtkäfer. Hier gibt es Tipps zur Förderung im Garten.

Da wir unseren Garten derzeit  (u.a.) insektenfördernd umgestalten, hege ich die Hoffnung, vielleicht irgendwann auch mal bei uns im hausfernen Bereich eine Leuchtkäferdame an einer offener Stelle zu entdecken, die ihrem potentiellen Partner lockend entgegen leuchtet. “Er” meidet allerdings das Licht.

Der Glühwürmchen-Nachwuchs lebt räuberisch und bevorzugt für die Ernährung Gehäuseschnecken.

Hier ein schöner Blog-Beitrag zum Thema und bei Quarks& CO kann man noch bis 2022 ein Video ansehen.

By NEUROtiker (Deutsch: selbst fotografiert English: own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons
Also, liebe Gartenbesitzer, macht das künstliche Licht aus und nehmt in lauen Sommernächten auf der Terrasse Platz, um dem Schauspiel der nächtlichen Natur lauschen. Ich glaube, ich weiß, wo ich im kommenden Sommer Leuchtkäfer finden kann. Aber ich verrate es keinem 🙂

“Um mich glimmernde Sternchen:
Glühwürmchen spielen Weltall am Waldrand.”
(Josef Guggenmos)


Verlinkt beim Fachwerkhaus im Grünen

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22 Gedanken zu “Lichtverschmutzung oder warum wir keine Glühwürmchen sehen

  1. im bahnwärtergarten!!!
    jede menge! 😀
    gerade heimgekommen und den ansehnlichen sternenhimmel bewundert – dafür müssen wir aufpassen nicht im dunklen garten zu stolpern und um das türschloss zu finden braucht´s eine taschenlampe – wenn nicht grad der mond scheint……
    diese leuchtenden plastemurmeln und ähnlichen nippes kann ich nicht ausstehen – wer MUSS schon nachts zum komposthaufen latschen??? und wenn kann man ja wie du ´ne taschenlampe benutzen oder wie wir die stirnlampe – hat man sogar die hände frei.
    <3 xxxxx

    1. Kicher…also nachts gehe auch ich nicht zum Kompost aber durchaus im Winterhalbjahr am frühen Abend, wenn es stockfinster ist. Aber deshalb muss ich ja nicht gleich der ganzen Nachbarschaft eine Zwangsbeleuchtung verpassen, oder? Sicherheitsgedanke und Einbrecherschutz hin und her, mich nervt das. Ich ziehe um an den Bahndamm 😉
      Ich komme dann bei Euch mal Glühwürmchen gucken, wenn ich hier keine finde.
      xxxx

  2. Liebe Karen,
    mit deinem Beitrag sprichst du ein wichtiges Thema an. Ich als Großstädterin kenne ja quasi keine Dunkelheit mehr. Um den Sternenhimmel zu sehen muss man schon ein ganzes Stück aus der Stadt raus fahren und kann dann die Milchstrasse trotzdem nur erahnen. Ich erinnere mich daran wie ich als Kind mit meinem Grossvater manchmal staunend in einen Sternenhimmel blickte der aus gefühlten Milliarden von Sternen bestand, das hab ich so schon lange nicht mehr gesehen. Das liegt aber nicht nur an unnötigen Gartenlaternen, sondern vor allem auch an grossen blinkenden Leuchtschriftzügen und Werbetafeln die auch kein Mensch braucht.
    Aber immerhin habe ich im letzten Sommer mal wieder Glühwürmchen gesehen, das war nachts an einem Teich mitten im Wald… dort war es auch dunkel. Man sollte auf jedes unnötige Licht verzichten oder Beleuchtung verwenden die sich bei Bedarf einschaltet statt immer zu leuchten und lieber ab und zu mal eine Kerze anzünden, ist auch viel romantischer.
    Herzliche Grüße und eine schöne Woche noch
    Theresa

  3. Wir freuen uns fast jeden Sommer Ende Juni/Anfang Juli über Glühwürmchen im Garten. Bei uns gibt es keine Gartenbeleuchtung, nur manchmal Windlichter, Kerzen und einige LED Leuchten mit sanftem Licht am Gartenweg. Dafür ist der Nachbargarten hell erleuchtet, manchmal die ganze Nacht hindurch… Zum Glück schirmt uns unsere Hecke von der unerwünschten Beleuchtung ab. Ich sitze nämlich sehr gerne in der Dunkelheit im Garten und denke dann immer an den unglaublichen Sternenhimmel auf La Palma…
    LG
    Inge

    1. Liebe Inge,
      ist es nicht wundervoll, wenn man, wie auf La Palma den unglaublich schönen Sternenhimmel in seiner ganzen Pracht betrachten kann? Irgendwie kam mir der Himmel auf den Kanaren viel näher dran vor als hier. Und die Sternenbilder sind dort ganz anders als hier zu sehen, das ist lustig.
      Liebe Grüße
      Karen

  4. Durch Sigruns heutigen Post habe ich hierher gefunden und ‘Die späte Gärtnerin’ gelesen, liebe Karen.
    Bei mir war es ähnlich. Nie im Leben hätte mein Vater gedacht, dass ich seinen Gemüsegarten irgendwann in einen Blumengarten verwandeln würde und der Garten das Hauptthema in meinem Leben wird. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, schon als Kind Garten und Natur zu erleben. Dann kommt das irgendwann mal wieder zum Vorschein.
    Liebe Grüße
    Edith

  5. Liebe Karen,
    da schreibst du was…unser Garten braucht auch mehr Licht weil wir durch ihn zur Haustür kommen. Die Idee des Elektrikers gefiel mir nicht so wirklich, den Garten stundenlang (mit intergrierter Zeitschaltuhr) am Abend zu beleuchten, da komme ich doch wieder gerne auf die Bewegungsmelder zurück.
    Danke für den Denkanstoß und einen schönen Tag – lieben Gruß, Marita

    1. Liebe Marita,
      bei uns ist sogar der Bewegungsmelder vorm Haus ausgeschaltet, weil eine Lampe im Beet gerne Kurzschluß verursachte. Hier reicht das Schummerlicht der Straßenlaterne bis zum Haus hin, nur das Schlüsselloch muss man noch finden 😉
      Liebe Grüße
      Karen

  6. Ein toller Denkanstoß liebe Karen! Aus dem Blickwinkel habe ich es nich gar nie betrachtet, obwohl wir außer Kerzen und ein paar LED Lampions im Sommer keine Gartenbeleuchtung haben. …. und es stimmt schon , hier draußen, etwas außerhalb der Stadt ist es viel dunkler!
    Liebste Grüße
    Christel

  7. Hallo Karen,
    hmmmm, Dein Post stimmt mich ein wenig nachdenklich. Über die Lichtverschmutzung schimpfen wir allendhalben (wir wohnen in der Nähe eines Postfrachtzentrums…..), haben aber selbst drei über eine Zeitschaltuhr gesteuerte Lampen in unserem Garten. Passt nicht wirklich zusammen, stimmt’s? Unsere Straße ist zwar stockfinster, aber MUSS der beleuchtete Garten wirklich sein? Vielleicht sollten wir da auch nochmal drüber nachdenken. Ein Glühwürmchen habe ich tatsächlich schon mal gesehen. Aber das ist jetzt locker 30 Jahre her. Schade eigentlich.
    Danke für Deinen Denkanstoß.
    Liebe Grüße,
    Krümel

  8. Das hast du toll geschrieben und wie ich finde, damit ein großes Thema aufgeriffen! Denn die allerwenigsten machen sich Gedanken zum Beispiel auch über Lichtverschmutzungen. Werfen keinen Blick “über den Gartenzaun” und gehen sorglos mit allem um.
    Es gibt und gilt so vieles zu tun um der Erde willen, das es schon wehtut! Einmal sollten hier in der Stadt von heute auf morgen 17 Bäume gefällt werdn, die grüne Lunge der Hauptstrasse. Nur weil die Anwohner sich beklagten, das ihnen die Äste das Tageslicht aussperren. Dabei waren Nester in dieesn Bäumen, junges, frisches Leben.
    Ich bin beinahe durchgedreht, als ich fünf vor Zwölf davon erfuhr und habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um diesen Bestand zu schützen. Zur Not hätte ich mich daran angekettet … das schwöre ich dir.
    Dank dem BUND konnten wir die Bäume retten! Heute muss ich immer noch darüber lächeln, wenn ich diese Strasse entlang fahre.
    Du siehst, man sollte anders denken und zu Not auch mal mit einer Taschenlampe oder einer Kerrze zum Kompost gehen. Du bist toll!
    Drück dich kräftig, dein Meisje

  9. Glühwürmchen sind mir im Garten schon des Öfteren untergekommen, aber immer nur vereinzelt. Unsere Beleuchtung regelt sich via Bewegungssensor, Dauerleuchten haben wir keine im Garten und das ist auch gut so. Ein sehr interessanter Artikel.

    LG Kathrin

  10. Liebe Karen,
    Glühwürmchen vermisse ich auch schon länger. Ich hatte sie immer im Sommer in Garten am Waldrand, bevor wir nach Sachsen gezogen sind (2008) . Dort gab es vielen feuchten Zonen im Wald. Im Dunkeln dort lang zu spazieren war eine echte Freude. Du hast ja einen Teich….vielleicht kommen die Glühwürmchen nun auch mal bei dir vorbei.
    Ansonsten kenne ich den schönsten Sternenhimmel nur von dem brandenburgischen Dorf, wenn wir den Schwiegervater besuchen. Das erste, was ich dort mache, wenn wir im Dunkeln ankommen….Himmel schauen und staunen. Kein störendes Licht weit und breit.
    LG Sigrun

  11. Ein toller Beitrag, liebe Karen – danke für diese und für die Bienen-Hummel-Buchtipp-Verlinkung bei ANL!
    Glühwürmchen habe ich erst- und bisher auch letztmals in den 1990ern in der Toskana gesehen, da wohnten wir zwei Wochen lang in einem einsamen, schönen, gelben Landhaus in den Hügeln. Das war ein ganz seltsamer, erhebender Anblick….
    Herzlichst, die Traude

  12. Ich habe nie in meinem Leben Gluhwurmchen gesehen – möchte doch. Ich habe Beleuchtung im Garten aber nicht zu viel. Die uberflussige Beleuchtung der Städte verhindert hier auch Beobachtung von Sternen. Aber wir können nicht totalt im Dunkel sein? 🙂

  13. Liebe Karen,
    bei uns gibt es gar kein Licht draußen… wir haben zwar am Eingang und im Garten je 1(!) Lampe, aber die sind fast nie an.
    Ich mag es lieber mit Kerzenschein.
    Kugellampen haben wir gar nicht.
    Und wenn ich abends im Dunkeln an die Mülltonnen im hinteren Teil des Garten muss, brauche ich eine Taschenlampe, die finde ich so nämlich gar nicht.
    Du siehst, bei uns ist die Chance groß, ein Glühwürmchen zu finden.
    Die Bilder finde ich klasse… Besonders London und Paris stechen ja wie kleine Sterne hervor.
    Lieben Gruß
    Nicole

  14. Liebe Karen,
    Wie schön, dass Du mal auf so ein wichtiges Thema hinweist. Ich habe erst vorgehabt, ganz viel Licht im Garten zu haben- schließlich komme ich doch aus der Großstadt. Aber als ich gelesen habe, dass es Igel und Co stört, habe ich das wieder sehr reduziert.
    Liebe Grüße
    Steffi

  15. Liegt wohl eher daran, dass wir einen Rückgang der Instektenmasse von 75% in den letzten 27 Jahren zu verzeichnen haben.

    Ich lebe seit meiner Kindheit am Waldrand in einer ländlichen Gegend und habe seit Jahren keine Glühwürmchen mehr gesehen. Wenn Sie ehrlich zu sich sind, dann werden auch Sie merken. dass das Summen und Brummen im Garten und in der Natur massiv nachgelassen hat. Ein weiterer Vorgeschmack auf den (schneller) kommenden Klimawandel.

    Wer mehr darüber wissen möchte:
    http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809

  16. Hallo Marcel,
    sicher, das ist auch ein nicht unerheblicher Grund dafür. Wer sich hier im Blog umschaut, stellt fest, das mir das Insektenwohl sehr am Herzen liegt. Ich werde alles tun, was in meinem Garten möglich ist, um die Insekten zu fördern. Gerade wird der ganze Vorgarten auf heimische Pflanzen umgestellt.
    Danke für den Link!

  17. Eine Freundin hat im Garten Platten verlegt, die selbstleuchtend sind. Sie wollte eigentlich Natursteinplatten verwenden, hat sich nun aber anders entschieden. Ich finde es auch schöner, wenn die Lampen abends angeschaltet werden. Ich bin aber nicht immer zu der Zeit draußen.

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