D7 statt A1 oder B75 – entspannt zur Arbeit

D7? Was soll denn das sein? Die A1 kennt wohl jeder aus den Staumeldungen und die B75 wird bei Staus auf der A1 im und um das Stadtgebiet Bremen stets zum ebenfalls verstopften Nadelöhr. Auf dem Rad hat man dagegen (relativ) freie Fahrt. Zum Beispiel auf einer Art Radfahrerfernstraße, in diesem Fall der D7 Radroute.

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Deutschlands Radfernwege

suchen Ihresgleichen. Kein anderes Land in Europa hat ein derart breit gefächertes, hochwertig ausgebautes Routennetz für Radreisende zu bieten. Flussradwege und Themenrouten existieren in nahezu unüberschaubarer Fülle.

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Die D-Routen

verknüpfen seit einigen Jahren diese Radfernwege, um alle deutschen Regionen zu erschließen und Radreisenden attraktive Verbindungen zwischen interessanten Orten anzubieten.

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Tolle Sache, oder?

Die D7 Radroute / Pilgerroute

Die Pilgerroute ist Teil einer europäischen (Eurovelo) Route von Skandinavien nach Santiago de Compostela in Spanien. Sie durchquert große Städte wie Hamburg, Bremen und die Rheinschiene. Bis auf einige Hügel in Schleswig-Holstein, zwischen Osnabrück und Münster und vor Aachen verläuft sie weitgehend steigungsfrei.

Und auf genau jener Pilgerroute liegt fast mein kompletter Weg zur Arbeit, die ersten 2,5 Kilometer mal ausgenommen!

Ich nehme Euch jetzt einfach mal mit, um Euch zu zeigen, wie wundervoll es sein kann, den Arbeitsweg auf dem Rad zurückzulegen.

Aus unserer kleinen Wohnstraße kommend, begleiten mich Weiden mit bunten Rindern und Schafen bis zur Hauptstraße. Hier, an der Bundesstraße 322, empfängt mich der tägliche Verkehrswahnsinn rund um die A1. Dank Ampelanlage kann ich ungefährdet die B322 kreuzen. Ich komme an der Mackenstedter Kornbrennerei vorbei und kann gleich darauf in einen schmalen Stichweg abbiegen.

Landschaftsschutzgebiet, Pferdeweiden und bevor ich wieder an eine Fahrstraße komme, fällt mein Blick auf das nun im Sommer verlassene Storchennest.

Genau dort beginnt

mein Weg auf der D7-Route.

Vorbei an einer der ältesten Hofstellen in Stuhr-Blocken, an Gemüsebaubetrieben (ich liebe den Porreeduft, der dort viele Monate in der Luft liegt!) mit Hofläden und Verkaufsständen geht es flott voran.

Hofstelle von 1779

Schnittblumenanbau gibt es auch.

Dann verschwenkt die Route nach rechts auf eine Nebenstraße, diese benutze ich aber nur auf dem Rückweg. Nach einer Weile führen mein üblicher Hinweg und die D-Route wieder zusammen.

Es passiert in Alt-Stuhr,

das man sich als Radfahrer manchmal beschimpfen lassen muss. Vor dem Ort liegt der asphaltierte Rad- und Fußweg linksseitig, also bleibe ich weiter auf der linken Seite. Dort gibt es keinen Radweg mehr, stattdessen ist der Fußweg in beide Fahrtrichtungen für Fahrräder freigegeben.  Komme ich nun an eine der Einmündungen, fühlen sich Autofahrer behindert, weil ich vermeintlich auf der falschen Seite unterwegs bin. Die andere Seite ist aber noch schmaler und ich müsste dann zweimal ohne Ampel die Straße queren. Die Alternative wäre, auf der Fahrstraße zu radeln und dort direkt den gesamten Verkehr zu behindern, der dann meistens hinter mir bleiben müsste mangels Überholmöglichkeit. Eine Wahl zwischen Pest oder Cholera, vielleicht passe ich meinen Hinweg besser dem Rückweg an? Zumal auf der Strecke schöne alte Hofstellen unter altehrwürdigen Bäumen liegen. Und eine Ampel mit 5 Minuten Schaltdauer bis Radfahrergrün kommt!

Bahnhof in Alt Stuhr

Nach einem “langen Jammer”, wie man hier sagt, der Kladdinger Straße, gelangt man in Höhe der Ochtum in die

Nähe des Bremer Flughafengeländes.

Dort, wo ich auf den Deichweg abbiege, staut sich an manchen Tagen bereits der Berufsverkehr von der B75 zurück. Gleich neben der dortigen Kurve (im Luftbild der Verlinkung mit 6, 5 und 4 gekennzeichnet) parken häufig Planespotter, um mit Teleobjektiv und Stativ schöne Fotos von startenden oder landenden Flugzeugen zu machen.

Blick über die Ochtum gen Huchting mit Kirchturmspitze

das “Ufo” gehört zum Flughafen
neue Doppelbank auf der anderen Deichseite

das Gebiet nennt sich “Park links der Weser”

An einer Ampel die verstopfte Zufahrtstraße queren, einen weiteren kleinen Deich entlang, noch eine hölzerne Brücke befahren,

dann biege ich links auf einen Weg hinter dem Industriegebiet am Flughafen ab. Wenn nicht gerade ein Flugzeug im Warmlauf in der Nähe steht, begegnet sich dort Kleingärtneridylle mit Gewerbebetrieben, bevor linksseitig Wohnbebauung von hinten zu sehen ist.

Ein Anwohner hat lustige Ideen für den Streifen hinter seinem Gartenzaun umgesetzt. Im wegbegleitenden Graben gibt es im Mai heftige Froschkonzerte.

Noch einmal abbiegen und die Zivilisation hat mich wieder. Dieses Tragseilbrückenbauwerk unterquere ich, oben drauf verläuft die A281. Der brandende Verkehr holt mich ins Stadtleben zurück.

Quelle: https://mapio.net/s/48384040/Ein paar Ampelkreuzungen weiter ich bin am Ziel, während sich die D7 Route weiter durch Bremen schlängelt. Statt entnervt zu sein von Stau und Parkplatzsuche, öffne ich entspannt das Tor zum Hof und schließe mein Fahrrad sicher am Fahrradbügel an.

Wenn man auf dem Pedelec unterwegs ist, verbraucht man zwar kein Benzin, der Strom für den Akku muss aber irgendwie produziert werden. Für ein gutes Gewissen kann man auf Ökostrom umsteigen und ist dann klimaneutral unterwegs.

Wer von Euch radelt zur Arbeit? Eventuell sogar ganzjährig?

Verlinkt bei Traude Rostroses #ANL und bei Einfachnachhaltigbesserleben

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8 Gedanken zu “D7 statt A1 oder B75 – entspannt zur Arbeit

  1. …das scheint mir ziemlich weit, liebe Karen,
    wie viele Kilometer legst du denn da jeden Tag zurück?…schön ist die Strecke und wie deine Bilder zeigen, gibt es viel zu entdecken…ich radle oft zur Arbeit, es sind aber nur rund 5 km und ich bin ehrlich gesagt, eine Schönwetter-Radlerin…also wenn es schon regnet beim losfahren, steige ich lieber ins Auto…und im Herbst und Winter wird es immer weniger, da ich abends meist erst Feierabend habe, wenn es lange schon dunkel ist und dafür ist mein Radweg nicht gut geeignet…und auf der Straße möchte ich im Dunkeln auch nicht radeln, obwohl ich Licht am Fahrrad habe…

    wünsche dir einen schönen Sonntag,
    liebe GRüße Birgitt

  2. Das nenne ich mal eine tolle Sache, täglich zur Arbeit zu “pilgern”! Haha… aber im Ernst, das ist natürlich kein Vergleich zu den verstopften Straßen. Ich fahre bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit. Bei mir sind es allerdings auch nur einfach 3 km. Nur wenn hoher Schnee liegt, fahre ich mit dem Bus. Gegen Regen oder Kälte kann man sich ja schützen.
    Viele Grüße von
    Margit

  3. schöner weg! da würde ich auch zur arbeit radeln – sogar im winter!
    was ich ja auch früher tat. zur arbeit, zum einkaufen, zu freunden, zum feiern, in die oper – alles mit dem fahrrad – sommer wie winter – regen, eis, schnee – egal. aber nicht durch platte ländliche idylle, sondern über die endmoränenhügel des berliner grossstadtdschungels 😀
    xxxxx

  4. Guten Morgen liebe Karen,
    eine wunderbare Strecke. Würde sich toll zum Hunde-Spazierengehen eignen (zumindest teilweise :-))
    Mein Arbeitsweg ist zwar ziemlich kurz, würde mit dem Rad aber ausschließlich direkt an der Kreisstraße entlang führen und eine große Baustelle (Bahnprojekt S21) queren. Und da siegt dann leider meine Faulheit. Ich gesteh :-).
    Liebe Grüße,
    Krümel

  5. Liebe Karen, dein Radweg zur Arbeit sieht wunderschön aus, wenn auch etwas weit… Ich finde es wirklich toll, wenn man sich jeden Tag zum radfahren motivieren kann und dadurch das Auto stehen lassen kann! Kurzstrecken lege ich auch alle zu Fuß oder mit dem Rad zurück, aber bei längeren bin ich weniger konsequent, va da wir hier doch einige Steigungen haben….
    Liebe Grüße,
    Amely

  6. Liebe Karen,
    ich bin richtig neidisch auf Deinen Weg zur Arbeit, so wunderschön ist er. Und kann mir richtig gut vorstellen, mit was für einem guten Gefühl Du die Arbeit erreichst.
    Ich habe auch schon überlegt mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Aber es dauert einfach viel, viel länger als mit dem Auto. Staus sind hier nicht so bekannt.
    Ich wünsche Dir eine wundervolle Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

  7. Liebe Karen,
    das sieht wirklich gut aus! Auch mich würde es interessieren, wie weit die Strecke ist bzw. wie lange du da fährst. Hier in Ö gibt es kein wirklich gutes Radstreckennetz, das heißt ich müsste auf der Bundesstraße nach Wien radeln, und das ist mir deutlich zu gefährlich. Mal abgesehen davon, dass ich für die Strecke über den Daumen gepeilt anderthalb Stunden in eine Richtung bräuchte und verschwitzt am Arbeitsplatz ankäme. Ich radle dann doch lieber hier auf den Feldwegen einfach so, zu meinem Vergnügen 😉
    Herzliche Rostrosengrüße, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2018/08/monis-buntes-flower-power-sommerfest.html

    1. Liebe Traude,
      einfache Strecke sind es knapp 14km, auch da kann frau schon ins Schwitzen kommen. Ich ziehe mich aus diesem Grund um, wenn ich ins Büro komme. Außerdem habe ich ja “Rückenwind” 😉
      Liebe Grüße
      Karen

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