Kaufe lieber unverpackt

Unverpackt einzukaufen, ist gar nicht so einfach. Einer meiner ersten Blogbeiträge in 2015 beschäftigte sich bereits mit dem Thema. Das ungefragte Einpacken im Kaufhaus hat sich zwischenzeitlich durch die Kostenpflichtigkeit der Plastiktüten erledigt. Gefragt wird man dennoch. In den letzten 3 Jahren ist diesbezüglich erfreulicherweise viel passiert. So bieten selbst Supermärkte immer öfter Obst und Gemüse lose in Kisten an. Ich lasse eingeschweißte Ware inzwischen einfach im Laden, loses Obst packe ich in den Tragekorb und lege sie direkt aufs Kassenband. Die arme Kassiererin muss dann sehen, das ihr die Ware beim Wiegen nicht wegrollt.

Meine Bloggerfreundin Margit vom Blog Margeranium hat übrigens einen tollen Artikel zum Plastikfasten veröffentlicht.

Woher aber bekomme ich Getreide, Nusskerne, Hirseflocken, Gewürze und und und ohne Umverpackung her?

Ganz in der Nähe meiner Arbeitsstelle gibt es seit einigen Monaten einen Unverpackt-Laden, Füllkorn genannt. Erst durch einen Zeitungsartikel bin ich darauf aufmerksam geworden und habe einen Selbstversuch gestartet.

Mit zwei sauberen Schraubdeckelgläsern bewaffnet habe ich den ersten Schritt zum verpackungsfreien Einkauf erledigt. Die Gefäße werden mit Deckel vorab leer gewogen, mit einem Permanentmarker schreibt man das Tara-Gewicht auf das Gefäß. An der Kasse wird das Tara-Gewicht subtrahiert, über bleibt die Netto-Warenmenge. Eine große Auswahl an Nüssen, Kernen, Körnern u.v.a. wartet darauf, ins Glas umgefüllt zu werden.

Wenn die

Qual der Wahl

zu einem bestimmten Behälter geführt hat, stellt man sein Gefäß darunter und betätigt den Schuber, der die Ware in das Glas kullern lässt. Ist die Öffnung zu klein, hilft eine bereitliegende Einfüllhilfe weiter. Alles richtig gut durchdacht.

Hat man kein Gefäß mitgebracht, können formschöne Behältnisse käuflich erworben werden.

Waschpulver, Waschsoda, Wäschespüler, Olivenölwaschmittel, einzelne Toilettenpapierrollen, das gute alte Teeei, Bleichmittel – man fühlt sich in frühere Jahrzehnte versetzt und das im positiven Sinn. Als ich Kind war (60ger-Jahre) gab es in der

Drogerie

noch richtig viel lose Ware zu kaufen.

Gewürze dürfen natürlich auch nicht fehlen!

Das Sortiment ist wirklich groß. Nur Roggen und Dinkel habe ich leider nicht gefunden. Edit: Beim zweiten Besuch habe ich das Behältnis mit Roggen und Dinkel gefunden. Ich war wohl von der Vielfalt geblendet.

Dieses Mal fiel meine Wahl auf Walnuss- und  Cashewkerne. Sicherlich bezahlt man  einen etwas höheren 100-Gramm-Preis als im Super- oder Drogeriemarkt, aber das tue ich gerne. Ich wünsche mir mehr solch mutige Menschen wie den Füllkorn-Inhaber Ulf Sawatzki, die das unverpackte Einkaufen ermöglichen und Konsumenten, die diese Chance ergreifen, etwas weniger Verpackungsmüll zu verursachen.


Verlinkt bei Traude Rostroses #ANL

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18 thoughts on “Kaufe lieber unverpackt

  1. So einen Laden hätte ich auch gern in der Nähe. Gibt es aber leider nicht. Immerhin gibt es in einem Supermarkt hier nun wiederverwendbare Beutel für Obst und Gemüse. Immerhin ein Anfang. Aber du hast recht, wir produzieren viel zu viel Verpackungsmüll. Und ist es nicht verblüffend, dass nun, wo die Plastiktüten im Kaufhaus Geld kosten, fast jeder einen eigenen Beutel dabei hat?
    Liebe Grüße
    Heike

    1. Genau, plötzlich ziehen 90% der Einkäufer ihre eigene Tüte hervor. Den wiederverwendbaren Beutel für Obst und Gemüse hat Margit schon mal gezeigt, den muss ich mir noch besorgen.
      Liebe Grüße
      Karen

    1. Liebe Elfi,
      bei uns draußen gibt es solche Läden auch noch nicht. Aber in Bremen haben bereits in einigen Vierteln derartige Läden eröffnet.
      Liebe Grüße
      Karen

  2. Hallo Karen,
    bei uns bietet ein Discounter immer mal wieder unverpackte Nüsse an. Wenn ich aber sehe mit welcher Selbstverständlichkeit alles angetatscht wird oder Nüsse mit denen Kinder gespielt haben wieder in die Kiste gelegt werden – da schüttelt es mich. Da bleibe ich lieber bei dem abgepackten Zeug. So richtig Unverpackt-Läden haben wir in der Nähe nicht. So dünne Netze für Obst und Gemüse hingegen (wie es Margit gepostet hat) find ich super. Die werd ich mir sicher auch zulegen.
    Was den Verpackungsmüll generell angeht: hier muss (leider mal wieder) die Politik ran. WIESO muss eine Biogurke Folienverschweißt sein??
    Liebe Grüße,
    Krümel

    1. Liebe Kerstin,
      das Biozeugs war bisher eingeschweißt, weil die Kunden gerne mogeln. Einige Supermärkte haben ihre Bioware jetzt gelasert und verpackungsfrei angeboten, schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.
      Liebe Grüße
      Karen

  3. 70cent für ´ne rolle klopapier??
    prinzipiell finde ich ja unverpackt immer besser! aber bis es so einen laden in unsere gegend schafft bin ich wohl alt&grau & werde vom essen auf rädern versorgt ;-/
    die dünnen zellophanbeutel für müsli/frühstücksbrei oder die papiertüten für mehl stören mich ja kaum – aber richtig schlimm ist die verpackungsorgie ja bei obst&gemüse….. styro-schale, fohlie, noch´n pappbanderolchen damits edel aussieht – vor allem bei bio-produkten! seit der garten uns versorgt haben wir 2/3 weniger verpackungsmüll. und wir haben schon sehr wenig – wenn ich sehe was andere so an gelben säcken an der strasse stapeln….. und restmüll fällt bei uns fast gar nicht an.
    gartengrüsse!!! xxxxxx

    1. Wenn ich sehe, was die Nachbarn an gelben Säcken rausstellen, wird mir ganz anders. Ich bringe sogar die schwarzen eckigen Pötte zum Staudengärtner zurück, damit die dort wieder benutzt werden können. Nächstes Jahr bekommen wir die gelbe Tonne aufgedrängt, noch was Hässliches mehr zum Hinstellen. Da wird so mancher wohl nicht mit klar kommen, denn wenn voll, dann voll und nur alle 4 Wochen Leerung. 😉
      Liebe Grüße
      Karen

  4. Das ist ja ein toller Laden! Ich sehe gerade, da gibt es mein Lieblingswaschmittel auch! Hier gibt es das leider nur als 1 Liter Gebinde und damit komme ich nicht weit. Ich bestelle mir daher immer einen großen Kanister. Wäre natürlich toll, wenn man den wieder zurückgeben könnte. Aber vielleicht kommt das ja noch. Plastikfasten ist wirklich nicht einfach. Aber ich habe jetzt einen neuen Lieblingssupermarkt, der ganz viele Lebensmittel im Glas anbietet. Vieles ist natürlich auch dort noch sehr im Argen…. z. B. Wochenendetüten mit Obst oder Gemüse und das alles in viel Plastik! Aber es wird sich nicht sofort alles ändern… wir als Verbraucher können aber mit Sicherheit durch unser Kaufverhalten ein wenig dazu beitragen!
    Viele Grüße von
    Margit
    P.S.: Für Obst und Gemüse habe ich jetzt tolle Säckchen aus Baumwolle entdeckt. Die Kassiererin fand die auch gleich richtig klasse!

    1. Liebe Margit,
      wo hast Du diese Baumwollsäckchen gekauft? Die hätte ich auch gerne, damit die Ostteile nicht so herumkullern.
      Liebe Grüße
      Karen

  5. Hallo liebe Karen,
    ich schaue auch immer mal wieder, wo denn der nächstgelegene Unverpackt-Laden ist – bislang ist noch keiner in unserer Nähe.
    Wir kaufen bereits seit langer Zeit mit Wäschenetzen unser Obst und Gemüse ein. Diese kleinen Tüten haben wir seit Jahren nicht mehr benutzt….
    Auch Beutel, Klappboxen oä gehören wie selbstverständlich zu unserem Einkauf.
    Eine Freundin hat jetzt in ihrem Geschäft wiederverwendbare Beutel für Obst und Gemüse im Angebot.
    Es handelt sich bei ihrem Laden nicht um ein Lebensmittelgescjäft, aber sie ist von den Beuteln so begeistert…..
    Ich schick Dir hier den Link zur Beutelfirma, die Beutel sind nämlich auch in Bremen in Supermärkten zu erwerben….
    Achtung: Werbung: http://www.fregie.de
    Vielleicht ist das ja was für Dich…..
    Herzliche Grüsse, Frauke

  6. Da bin ich auch gerade dran, am “Weniger” was Verpackungen und Plastik an sich anbetrifft. Verpackungen im Laden zu lassen geht selten an die Hersteller weiter. Die Ware ist ja schließlich verkauft, so wie sie angeboten wurde. Da hilft tatsächlich nur, Dinge zu kaufen, die so etwas gar nicht erst haben. Denn wer auf seiner Ware sitzenbleibt, denkt automatisch um. Prima Post!
    Liebe Grüße
    Solveig

    1. Richtig! So blende ich komplett foliertes Obst z.B. einfach aus, da existiert für mich nicht. Wenn die Ware aus der offenen Kiste sich besser verkauft, sieht die Nachbestellung eventuell anders aus. Steter Tropfen höhlt den Stein.
      Liebe Grüße
      Karen

  7. Unverpacktläden find ich was ganz Grossartiges!! Leider ist der nächste hier erst in Luzern zu finden, das sind für mich 20 km Fahrt. Und wenn ich den Weg dorthin miteinrechne ist die ganze Nachhaltigkeit auch schon wieder eliminiert, leider. Aber wir haben immer Stoffbeutel für Gemüse und Früchte dabei, wir kaufen möglichst grosse Packungen, ausserdem Lebensmittel gerne auch im Hofladen und inzwischen haben wir sogar ein Waschmittel entdeckt, das zu 100% aus Ölen hergestellt wird, die in der Schweiz angebaut werden, ohne Bleiche und das ganze Gedöhns. Und in 3-Liter-Beuteln abgepackt, die zu 70-100% aus recyceltem Kunststoff bestehen. Geht doch!
    Ich meine ein gewisses Umdenken erkennen zu können, beim Kunden und beim Anbieter, auch bei den Grossverteilern. Inzwischen gibt es hier für jedes normale Produkt auch eine Bio-Alternative und jede Menge aus regionaler Produktion. Das freut mich sehr! Jetzt müssen nur noch möglichst viele Menschen auf diese Produkte umsteigen, denn: Wir stimmen mit unseren Kassabons darüber ab, was hinterher in den Regalen stehen wird!
    Gut auch, wenn wir dieses Thema immer mal wieder in unseren Blogs aufnehmen und darauf aufmerksam machen. Merci dafür!
    Herzliche Grüsse!

    1. Du hast so recht, liebes Hummelchen! Wir haben es in der Hand. Wenn ich mich gegen einen Kauf entscheide und stattdessen die unverpackte Variante nehme, wird sich das auswirken, irgendwie. Weil wir nicht mehr alleine unterwegs sind diesbezüglich. In Bremen, wo ich arbeite, eröffnen immer mehr solcher Läden und das freut mich sehr. Draußen bei uns, vor den Toren der Stadt gibt es viele Hofläden und einige Milchtankstellen. Und unseren Garten mit Gemüse und Obst. Wenn ich irgendwann mal mehr Zeit für die Gartenbewirtschaftung haben sollte, werde ich das intensivieren. Mein Vater war mir da ein großes Vorbild mit seiner 400m² Parzelle. Obwohl meine Mutter manchmal keine Lust mehr hatte, Bohnen zu schnippeln und einzumachen. Ich hab die Einmachgläser geerbt, hihi.
      Liebe Grüße
      Karen

  8. Das ist ja eine tolle und nachahmenswerte Geschäftsidee.
    Ich glaube, bei der Auswahl kauft man auch mehr, als man möchte.
    Aber es schaut toll aus.
    Leider gibt es hier solch einen Laden noch nicht.
    Dir einen schönen Tag und lieben Gruß
    Nicole

    1. Das kann durchaus passieren, mit dem mehr kaufen. Vor mir bezahlte eine Frau einen ganzen Korb mit gefüllten Schraubdeckelgläsern, die Summe war nicht unerheblich.
      Liebe Grüße
      Karen

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