Ein Zelt kommt selten allein

Im Urlaub im Zelt

zu übernachten, das war bis Mitte 20 für mich völlig normal. Mit einem schweren klobigen Steilwand-Zelt und einer kompletten Campingausstattung ging es damals bis ins heutige Kroatien, nach Südfrankreich oder Spanien bzw. jeweils zu Pfingsten innerhalb Deutschlands auf einen mehr oder weniger netten Campingplatz.

Pfingsten 1980

Später benutzte ich ein Zelt (inzwischen waren diese deutlich leichtgewichtiger geworden) nur noch für Übernachtungen auf Islandpferdemeisterschaften. Unvergessen ist mir die Weltmeisterschaft 1999 in Rieden-Kreuth, als uns der Regen sturzbachartig überraschte. Aber das ist auch schon wieder ewig her. Oder auf Island 1998 zum Landsmot nach einem einwöchigen Hochlandritt.

Landsmot 1998

Im Hotel- oder FeWo-Bett

liegt es sich eben deutlich komfortabler. Das Abenteuergefühl bleibt dabei allerdings auf der Strecke. Mein lieber Mann hat die Idee, Deutschland auf dem Rad zu durchqueren. Um zu schauen, wie andere das so machen, haben wir uns auf Youtube Radreisekanäle angeschaut. Viele dieser abenteuerlichen Pedalierer haben eine komplette Campingausrüstung auf dem Rad dabei, um unabhängig zu sein. Okay, auf einen Campingplatz ist man dennoch angewiesen, denn in Deutschland ist Wildcampen nicht erlaubt! Viele Radreisende machen das trotzdem, das sollen sie selber entscheiden.

Unsere einstimmige Aussage war zunächst, Radreise mit viel Gepäck ist zwar okay, aber

Zelten

muss ja nun wirklich nicht sein. Insgeheim dachte ich, hey, warum eigentlich nicht, hat man doch früher auch gemacht? Es dauerte knapp eine Woche und mein Mann änderte seine Meinung zu: campen ist doch praktisch, nur Wildcampen, das geht gar nicht. Dem konnte ich mich durchaus anschließen.

Mein WM-Zelt von 1999 war längst verkauft worden, fast 20 Jahre ging es ohne Zeltdach. Ein Zelt fürs Radreisen sollte außer wetterfest vor allem Eines sein: leicht und handlich im Packmaß. Als organisatorisch veranlagtes Menschenkind sagte ich, für solch eine Deutschlanddurchquerung sollte man sich gut vorbereiten und überhaupt mal ausprobieren, ob man das Campen inklusive Zeltübernachtung in der Praxis noch gut findet.

Abenteuer Zelten?
Foto von pixabay:
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Was braucht man so als

Mindestausstattung?

Zelt, Luftmatratze und Schlafsack. Kocher, Geschirr, Besteck, Sitzunterlage, usw. usw.

Ich wollte mich mit der Recherche nach benötigten und geeigneten Utensilien nicht wochenlang aufhalten. Lobend erwähnen möchte ich hier den Youtuber Ingo Wardenburg, der als “Ingo fährt Rad” richtig gut gemachte Videos seiner Radreisen ins Netz stellt und nebenher komplette Packlisten nebst Produktempfehlungen (völlig werbefrei, nur aus Überzeugung!) erstellt. Danke Ingo, wir haben bei Dir abgeguckt, das hat uns viel Zeit gespart und evtl. davor bewahrt, Geld für Untaugliches auszugeben.

Listenfreak,

der ich bin, war fix eine Datei als Packliste gebastelt. Ganz schön viel, was so mitgenommen werden muss, wenn man das Dach über dem Kopf mit sich schleppt und man von langweiligen Campingplatzrestaurants unabhängig sein möchte. Da muss man noch viel weiter denken, z.B. wie lade ich am Zelt mein Smartphone oder das Fahrradnavi auf? Vorab sei verraten, es gibt für (fast) Alles eine Lösung.

Da Ingo zwar Produkt- und Modellnamen preisgibt, aber keine Verlinkung hinterlegt, begab ich mich selber auf die Suche. Zunächst nach dem empfohlenen Zelt Vango F10 Helium 2 (soll heißen, es wäre für 2 Personen geeignet, naja…). Ausrüster vor Ort hatten dieses nicht oder jenes nicht, selbst Amazon musste hier passen. Breitgefächert fündig wurde ich dann bei einem großen Outdoorversender, der auf Campingartikel spezialisiert ist. Dort ergatterte ich das letzte verfügbare Helium 2, tschakka. Ein sogenanntes “Footprint”, also eine exakt passende Unterlage für dieses Modell war leider weltweit nicht mehr aufzutreiben. Ich wich auf eine rechteckige ungefähr passende Unterlage aus, die bei Bedarf zumindest das “Vorzelt”, die Apsis von unten schützt.

Probeaufbau im Garten Helium2

Bei Luftmatratze und Schlafsack

fand ich Alternativen zu Ingos Empfehlung, die teils sogar noch leichter waren. Beim Kocher fand ich noch was Nettes zusätzlich, so gibt es einen weiteren kleinen sehr handlichen Kocher neben dem Trangia bei uns von Optimus.

So, nun lag der ganze Kram bei uns herum. Zusätzlich hatte ich parallel passende Packtaschen fürs Rad gekauft, Wohn- und Schlafzimmer müssen neben Küchenausrüstung und persönlichen Utensilien ja auch irgendwo untergebracht werden. Ein weiteres Dankeschön geht an Ingo, denn bei seinen Packlisten hat er natürlich auch vermerkt, in welcher Tasche er was untergebracht hat. Hektisches Gekrame, welches Teil nun wo gelandet ist, entfällt damit. Kommt nur bei zusätzlichen Dingen vor, wie z.B. der Suche nach der mitgenommenen Brotdose.

Nun hätte ich eigentlich meinen Mann auf eine Solo-Wochenendreise zum Ausprobieren des Fahrens mit voller Beladung und Übernachtung im Zelt schicken können. Angesichts des momentanen Endlossommers war mir aber ganz plötzlich danach, das auch für mich auszuprobieren. So kam Zelt 2 zu uns, wieder ein Vango, dieses Mal das (noch erhältliche) Modell Scafell 300+ Tent Pamir. Ins Helium 2 passen nämlich nicht wirklich 2 Personen rein, wenn es einigermaßen erträglich sein soll. Ebenso ist das Scafell 300 zwar für 3 Personen geeignet, aber nicht für 3 empfehlenswert. Deshalb Zeltkauf Nummer 2. Das wiegt übrigens fast 2 Kilo mehr als das kleinere Helium. Wer alleine reist ist klug beraten, das Helium zu nehmen. Eine weitere Luftmatratze, ein Schlafsack , ein weiteres Campinggeschirr. Weil inklusive des neuen Reiserades alles kurz vor einem bei uns freien Wochenende eintraf, machten wir uns ganz spontan auf eine Abenteuerreise von Samstag auf Sonntag.

Scafell im Echteinsatz

Zeltromantik

Zu meinem bevorstehenden Geburtstag habe ich mir ein Zeltwochenende auf der Weserinsel Harriersand gewünscht. Den dortigen Zeltplatz habe ich in einem Buch entdeckt, das ich Euch in den nächsten Tagen hier vorstellen werde! Es heißt Camping-Glück und macht Appetit auf Camping abseits der Dauercampergettos.

Welche Erfahrungen oder Empfehlungen habt Ihr eventuell für uns für weitere Radreisen nebst Übernachtung im Zelt? Zur Ausrüstung, zu Plätzen, zu Routen?

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16 Gedanken zu “Ein Zelt kommt selten allein

  1. Liebe Karen,
    oh ja, zelten, das ist auch eine Kindheitserinnerung. Mit meinen Eltern auf einem Privatstrand von Freunden etwas nördlich von Ancona, damals, als Rimini noch die Schallgrenze aller Italienreisenden war. Dann natürlich immer wieder und jetzt eigentlich nicht mehr, obwohl ich sagen muss, dass es noch immer nicht den Charme verloren hat. Ich bewundere dich allerdings sehr, dass du das alles mit dem Rad transportiert hast. Mir reicht mein schwerer Rucksack beim Zustieg zu einer Hütte, obwohl nur alles im Kleinformat mitgenommen wird. Aber Seil und weitere Kletterausrüstung sind zwar – ähnlich wie die Zelte – leichter geworden, immer noch allerdings schwer genug. Danke jedenfalls für die tolle Kindheitserinnerung.
    Eine schöne Zeit, einen dicken Drücker
    Elisabeth

  2. Liebe Karen,
    mit Mitte 20 habe ich auch das eine oder andre Mal Zelturlaub gemacht oder zumindest ein Zelt mit dabei gehabt, das dann bei Bedarf genützt wurde . Aber ich sag mal so, die Erfahrungen damit waren nicht soo prickelnd. Höhepunkt von allem war eine Gruppenreise mit einem Naturclub, 21 Tage mit Bus und Zelt durch England und Schottland. Davon hat’s 19 Tage geregnet und ich handelte mir eine gewaltige Bronchitis ein. Da war ich dann irgendwie vom Zelten geheilt. Später übernachteten mein Mann, meine Tochter und ich bloß noch 1 x in der Nähe von Hannover auf einem (sehr schönen) Campingplatz mit See, auf dem Weg weiter nach Norden, aber mein Mann und ich fanden in dem Zelt kaum Schlaf und am nächsten Tag tat uns alles weh. Wenn Zelten die einzig machbare Methode wäre, mir noch etwas von der Welt anzusehen, dann ja – aber sonst bevorzuge ich mittlerweile ein ordentliches Bett und 4 Wände (zumindest in der Wandstärke eines Wohnwagens) um mich rum…
    Aber ich weiß, viele Menschen haben einen anderen Zugang zum campieren als wir und wünsche euch viel Spaß dabei!!! 🙂
    Alles Liebe, Traude

    PS: Danke für deine Kommentare bei mir. Zu dem einen habe ich dir dort geantwortet – https://rostrose.blogspot.com/2018/08/bunter-sommer-2018-hitze-fit-und-sommer.html – und was das Hollerkoch betrifft, vielleicht nennt man es bei euch Fliederbeersuppe? So nannte es nämlich Ines in ihrem Kommentar…

    1. Liebe Traude,
      nach solch einer Regenreise hätte ich sicher auch genug für alle Zeiten vom Zelten gehabt. Das ich in der ersten Nacht im Zelt wirklich gut schlafe, kann ich auch nicht sagen. Es ist ungewohnt und unbequem. In der nächsten Nacht kommt etwas Gewöhnung hinzu und es fällt leichter. Zuhause kann ich mich dann wieder richtig ausschlafen.
      Liebe Grüße
      Karen

  3. Zelten! Freiheit! Tassen hoch, lustiges Geschwätz, Lachen und herrlicher Himmel! Wie schön! Das ist Sommer. Hab das lange nicht mehr gemacht und denke gerade ebenfalls drüber nach… ;-D Hast mich auf ´ne Idee gebracht.
    Wünsche dir einen herrlichen Geburtstag und ganz doll viel Spaß!
    Liebe Grüße
    Solveig

    1. Schön, wenn ich Dich inspirieren konnte. Mit dem Glas Rotwein in der Hand auf den dahin fließenden Fluss gucken und bis in die Nacht hinein vorm Zelt die lauschige Nacht genießen, das hat schon was.
      Liebe Grüße
      Karen

  4. ha – karen geht zelten!!
    aber hättste mich gefragt, ich hätte dir von einem tunnel abgeraten – ein ohne abspannungen stehender geodät ist auch allein superschnell aufgebaut und steht sogar auf betohartem boden zur not ohne heringe – und wenn man erstmal drinliegt fliegt er auch nicht weg ;-D
    wir sind ja jahrelang die flüsse entlangezeltet auf unseren faltboottouren – ein wahres flusszigeunerleben – natürlich mit minimalstem gepäck – so ein kajak ist nicht gross.
    vermisse ich ein bisschen……
    xxxxx
    p.s.: dein blog hat alzheimer – hat meine daten mal wieder vergessen!

    1. Doofi hat erstmal nachgeschaut, was ein Geodät ist. Hm, da hätte es tatsächlich was Passendes gegeben in gleicher Preislage und genauso schwer. Na, schauen wir mal, wie wir das Scafell gebändigt kriegen. Ich lese gerade Wandern. Radeln. Paddeln.: 12000 Kilometer Abenteuer in Europa, paddeln habe ich noch nie ausprobiert. Stimmt, da gab es mal was im Blog bei Dir mit dem Faltboot, muss noch mal nachlesen. Danke für den Hinweis bezüglich der Kommentarabos. Hm, mag mit dem neuen Design zusammenhängen. Bis auf wenige Ausnahmen stehen die Kommentarabos als unbestätigt herum. Habs im Selbstversuch nachgestellt. Da dachte ich gerade, jetzt habe ich alles rund, schon tut sich eine neue Baustelle auf.
      Liebe Grüße
      Karen

  5. Ich bin ja überhaupt kein Camper! Ich bin zwar gerne draußen und brauche auch keinen Luxus… aber so ein kuscheliges Bett weiß ich dann doch sehr zu schätzen. Wahnsinn, was Ihr alles mit dem Rad transportiert habt… kaum zu glauben!
    Viele Grüße von
    Margit

    1. Oh, Margit, es geht nichts über ein kuscheliges Bett! Das weiß man umso mehr zu schätzen, nachdem man gezeltet hat. Von bequem kann da echt keine Rede sein.
      Liebe Grüße
      Karen

  6. Hallo Karen,
    da kommen Erinnerungen auf!
    Meine erste Zelttour hab ich mit dem Kegelclub gemacht, über Pfingsten in Zeeland, ach was war das ein Spaß.
    Ich hatte ja eine gruselige Vorstellung von Sanitärhäusern und Campingplätzen und hatte das lange Wochenende meinem Mann zuliebe mitgemacht.
    Danach war ich von meinen Vorbehalten befreit.
    Inzwischen fahren wir mit dem Wohnwagen, das war mir mit den Kindern lieber, regnet es in den Bergen doch gerne und oft.
    Das einzige, worauf wir achten, ist, dass auf dem Platz gar keine oder nur wenige Dauercamper sind.
    Ich bin auf eure Touren gespannt, vielleicht steht ihr ja irgendwann mal neben uns.
    Liebe Grüße und ganz viel Spaß beim Zelten
    Gudrun

  7. Hallo Karen,
    ich war schon lange nicht mehr zelten. Das letzte Mal ein paar Wochen Korsika im recht großen Zelt mit komfortabler Luftmatratze und dann noch einmal ein Wochenende in Holland. Das ist aber auch schon wieder ewig her. Harriersand klingt gut, das würde ich auch gern mal machen.
    VG
    Elke

  8. Liebe Karen,
    diese Art von Reisen ist mir aber so was von fremd.
    Ich habe noch nie(!) in einem Zelt übernachtet.
    Ob ich das möchte? Ich bin mir da nicht so sicher.
    Ich glaube, ein Hotelbett ziehe ich vor.
    Obwohl es bestimmt toll ist, nachts vor dem Zelt an einem Lagerfeuer zu sitzen, den Sternenhimmel anzuschauen…
    Ach ne, ich werde romantisch.
    Dir einen schönen Nachmittag, lieben Gruß
    Nicole

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